Lagerbestandsoptimierung in Zeiten gestörter Lieferketten und Inflation

Experten in Data Science

Bislang galt Lagerhaltung als Kostenfaktor, den es zu reduzieren gilt!
Die Gründe dafür sind bekannt:

  1. Gebundenes Kapital
  2. Betriebskosten von Lagern
  3. Begrenzte Lagerkapazität
  4. Risiko von unverkaufbaren Restbeständen
  5. Risiko von Vernichtungen bei Rückrufen
  6. Unübersichtlichkeit

In Zeiten von Lieferengpässen und Inflation hat sich das Blatt gewendet. Die Gewinner dieser Zeit sind Unternehmen, die liefern, wenn es andere nicht können. Unter Umständen „verdient“ ein Lagerbestand mit seiner Aufwertung Geld, da die Beschaffung Jahr für Jahr teurer wird.

Gilt das für jede Art der Lagerhaltung?

Der Grund für eine Lagerhaltung liegt darin, dass Ware schneller verfügbar sein muss, als die Beschaffungszeit zu diesem Zeitpunkt wäre. Der ideale Lagerbestand hängt vom zukünftigen Bedarf, der Lieferzeit, aber auch von der Unsicherheit auf Bedarf und Lieferzeit ab.

Wir unterscheiden bei der Beplanung der Wiederbeschaffung hauptsächlich in unterschiedlichen Lieferzeiten (Wiederbeschaffungszeiten) und somit Planungshorizont.

  1. Strategische Beschaffung
    Langfristige Planung und Bevorratung von Produkten mit langen Lieferzeiten und strategischer Bedeutung.
  2. Taktische Beschaffung
    Kurz- und mittelfristige Planung der Beschaffung bzw. Produktion nach vorhergesagten Bedarfen.
  3. Operationelle Beschaffung
    Kurzfristige Planung von Zeit und Reihenfolge von Produktions- und Beschaffungsaufträgen.

Lange Beschaffungszeit + hohe Unsicherheit = Hohe Reichweite

Die Strategische Beschaffung für Produkte mit langen Lieferzeiten sind üblicherweise Rohmaterialien oder Halbfertigprodukte, die als Eingangsprodukt für die eigene Produktion dienen. Diese Produkte sind im Verhältnis zum Endprodukt in der Regel günstig und ein etwaiger Produktionsausfall ist sehr teuer, daher lohnt es sich sehr oft bei diesen Produkten eine relativ hohe Reichweite im eigenen Lager aufzubauen.
Diese Strategie hat sich in den letzten Jahre deutlich ausbezahlt. Beschaffung wurde schwieriger durch längere Lieferzeiten, höhere Unsicherheiten und gestiegene Kosten. Der Lagerbestand kann in diesen Fällen durch eine Aufwertung sogar wirklich Geld verdienen!

Kurze Beschaffungszeit + niedrige Unsicherheit = Niedrige Reichweite

Bei der taktischen Beplanung handelt es sich um eine Beschaffung mit kurzen Beschaffungszeiten und einer geringen Unsicherheit auf der Beschaffungszeit. In diesem Fall ist es üblicherweise optimal einen geringe Reichweite im Lager vorzuhalten und die Beschaffung an den vorhergesagten zukünftigen Bedarfen auszurichten.
ITM-Auto-Dispo ist eine Lösung, um die Beplanung von Taktischer Beschaffung optimal zu automatisieren.


1. Beispiel Strategische und Taktische Beschaffung bei Make-to-Stock Produktion

Strategische Beschaffung:
Beschaffung von Rohstoffen und Roh-Material für die Produktion. Die Beschaffungskosten sind relativ gering und die Beschaffungszeiten sehr lang (z.B. 1 Jahr und mehr). Daher sichert eine ausreichend große Lagerhaltung mit Reichweiten von einem Jahr und mehr die Versorgung der Produktion bei überschaubaren Kosten und Platzbedarf.

Taktische Beschaffung:
Aus den Roh-Materialien werden Halbfertigteile gegen Lager (Make-to-Stock) produziert. Die Endprodukte werden auf Bestellung zu sehr kurzen Lieferzeiten gefertigt, daher müssen Halbfertig-Produkte auf Lager liegen.
Bei der Planung der Produktion von Halbfertigprodukten werden die vorhergesagten Bedarfe der nahen Zukunft berücksichtigt. 
Ein (zu) hoher Lagerbestand ist hierbei nicht sinnvoll und bringt keine strategischen Vorteile. Zu hoher Lagerbestand führt zu gebundenem Kapitel und Rohmaterialen, zu viel Platzbedarf und ein Risiko für Rückrufen, bei denen Teile aus dem Lager vernichte werden müssen.

ITM-Auto-Dispo:
Die ITM-Auto-Dispo wird in diesem Beispiel für die Optimierung der Beplanung der Produktion von Halbfertigteilen gegen Lager verwendet. Wir erreichen mit unserer Technologie einen deutlich geringeren Lagerbestand (bis zu 50%) bei mindestens gleicher Verfügbarkeit. Das spart Ressourcen in der Produktion und Lagerkapazität, die für die strategische Lagerhaltung zur Verfügung steht.


2. Beispiele Strategische und Taktische Beschaffung bei VMI

VMI – Vendor Managed Inventory
Der VMI-Anbieter betreibt bei seinen Kunden Konsignationslager und ist damit für die Beplanung der Lager verantwortlich ist. Der Kunde verlässt sich auf die Verfügbarkeit der Materialien vor Ort und spart sich selbst die Beplanung und die vorzeitige Beschaffung.

Strategische Beschaffung:
Der VMI-Anbieter muss die rechtzeitige Belieferung seiner Kunden sicherstellen, dazu legt dieser ein Zentrallager an, aus dem die VMI-Konsignationslager beliefert werden. Die Reichweite im Zentrallager wird daher groß gewählt, um alle Lieferschwierigkeiten abzufedern.

Taktische Beplanung:
Die einzelnen VMI-Konsignationslager werden auf Basis von erwarteten Bedarfen eher kurzfirstig beplant. Eine hohe Reichweite kann z.B. wegen sich ändernden Bedarfen und zu wenig Lagerfläche vor Ort nicht umgesetzt werden. Zu hohe Reichweite hat den Nachteil, dass Material in einem VMI-Konsignationslager gebunden ist und damit den anderen Kunden nicht zur Verfügung steht.

ITM-Auto-Dispo:
Die ITM-Auto-Dispo wird in diesem Beispiel für die optimale und automatische Beplanung der VMI-Konsignationslager eingesetzt. Die Komplexität und der Aufwand steigt mit der Anzahl der Lager. Bedarfe werden dynamisch vorhergesagt und passen sich automatisch den Gegebenheiten an. Transportkosten werden optimiert, indem z.B. dringende Bestellungen mit weniger dringenden kombiniert werden, um die Anzahl der Lieferungen zu reduzieren, was Standard-Planverfahren dem Disponenten überlassen.

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